(C) 2010-2018 Dr. Heinz Czapla Photography - AudioVision
Heinz+Helga Czapla
Fotografieren + Schreiben
Vorgeschichte Seit   den   Anfängen   der   Fotografie   ist   diese   auch   mit   Schreiben   verknüpft.   Bilder   mussten   nummeriert,   beschriftet   und   katalogisiert   werden. Sobald   Bilder   in   Alben   verwahrt   wurden,   kamen   mehr   oder   weniger   detaillierte   Beschreibungen   von   z.   B.   Zeit,   Ort,   Situation   und   eventuell abgebildeten   Personen   hinzu.   Das   hat   sich   im   digitalen   Zeitalter   kaum   verändert,   wenn   auch   die   Digital-Camera   und   der   Computer   gern genutzte   Hilfestellung   leisten.   Über   diesen   Aspekt   des   “Schreibens”,   der   zugegebener   maßen   nicht   das   Schreiben   in   Sinne   des   vorliegenden Kapitels sein soll, haben wir bereits an anderer Stelle berichtet. Der   Anspruch   an   die   Qualität   des   Geschriebenen   steigt   in   dem   Maße,   wie   die   Präsentation   von   Bild   und   Text   immer   unabhängiger   von   der persönlichen   Anwesenheit   des   Fotografen   oder   Autors   wird.   Beim   Betrachten   eines   Familienalbums   werden   die   verbalen   Informationen   durch   das spontane   Erzählen   der   Geschichte   weitergegeben.   Die   Beschriftung   ist   -   ebenso   wie   die   Bilder   -   eher   ein   Stichwortgeber   für   den   Erzählenden. Dagegen   steht   ein   Bildband   in   einer   Bücherei   für   sich   ganz   allein.   Informationen   und   Emotionen,   die   der   Text   -   in   Zusammenhang   mit   den Bildern - nicht geben bzw. nicht wecken kann, bleiben in Bezug auf diesen Leser für immer nicht gegeben bzw. für immer nicht geweckt. Ganz   ähnlich   ist   es   mit   der   Audio-Vision.   In   der   einfachsten   Form   ist   diese   eine   Vertonung   von   Bildern   mit   geeigneter   Musik.   Bilder   sind   heute oft mit Videos aufgelockert. Dieser Grundform können sich weitere Ebenen überlagern, wie z.B. -- eingeblendeter Text -- eingeblendete Sprache -- eingeblendeter Original-Ton (auch unabhängig von Video) -- Live-Sprache -- Live-Musik -- Live-Video Alle   Ebenen   können   auch   gemischt   werden.   Keine   der   genannten   Ebenen   stellt   einen   besonderen   Wert   an   sich   dar.   Ihre   Bedeutung   ergibt   sich   im Einzelfall lediglich aus dem Kontext der Anwendung. Nachfolgend   wollen   wir   uns   den   Aspekten   von   Text   in   Fotoalben   und   Bildbänden   widmen,   ebenso   auch   den   Aspekten   von   Text   und   Sprache   in Audio-Visionen. Texte in Bildbänden und vergleichbaren Medien Ein   Bildband   bewegt   sich   zwischen   zwei   Extremen.   Einerseits   kann   er   aus   einem   Einzelbild   und   einem   auf   dieses   Bild   bezogenem      umfangreichen Text   bestehen.   Anderseits   kann   sich   das   Buch   auch   aus   sehr   vielen   Bildern   mit   jeweils   nur   z.B.   einer   kurzen   Titelzeile   und   ohne   jedwedem weiteren Text zusammensetzen. Die Wirklichkeit liegt meistens von Fall zu Fall irgendwo dazwischen. Auch   inhaltlich   liegt   ein   Bildband   zwischen   zwei   Extremen.   Einerseits   könnte   er   nur   reine   Emotionen   transportieren,   andererseits   nur   reine Informationen.   Reine   Emotionen   werden   z.B.   bei   einer   Beschränkung   auf   Bilder   mit   abstrakter   Titelzeile   geweckt,   etwa   ‘Bild   314’.   Als   Beispiel   für reine   Information   kann   man   sich   den   bebilderten   Katalog   eines   Schraubenherstellers   vorstellen.   Wie   zu   erwarten,   geschieht   oft   beides: Gleichzeitig   werden   Informationen   mitgeteilt   und   Emotionen   geweckt.   An   der   Vermittlung   von   Informationen   und   Emotionen   können   Bild   und Text in gleicher Weise beteiligt sein. Es   ergibt   sich,   dass   ein   schriftstellerisch   bearbeiteter   Bildband   meist   auch   eine   Mischung   aus   Emotion   und   Information   ist.   Dem   kann   man   als Autor   fast   nie   ausweichen,   ja   es   ist   einer   der   Vorteile   dieser   Darstellungsweise.   Beste   Beispiele   liefern   bebilderte   Reiseberichte   oder   ähnliches   im weitesten   Sinne   -   ob   in   der   realen   Welt   oder   auch   im   Bereich   der   Fantasy.   Bild   und   Text   ergänzen   sich   und   führen   den   Leser   und   Betrachter   in die dargestellten und beschriebenen unbekannten Verhältnisse. Umgekehrt   befindet   man   sich   bei   der   Kombination   von   Bildern   und   Gedichten   schnell   auf   abschüssigem   Gelände.   Gedichte   sind   in   ihrer   Art   eine solche   Verdichtung   von   Sprachwelten,   dass   die   durch   sie   geweckten   Emotionen   die   Bilder   gewöhnlich   immer   erdrücken.   Anders   gesagt,   die Bilder   erscheinen   dann   nicht   adäquat.   Kombiniert   man   trotzdem,   so   hinterbleibt   beim   Leser   und   Betrachter   oft   ein   unbefriedigendes   Gefühl.   Die Bebilderung   eines   Gedichtbandes   gelingt   also   meist   nur   mit   wirklich   starken   Bildern.   Bildchen   aus   Datenbanken   im   Internet   führen   da   eher   nicht zum Ziel. Wenn   Bild   und   zugehöriger   Text   immer   auf   derselben   Seite   oder   Doppelseite   angeordnet   sind,   muss   der   Text   kurzgefasst   sein.   Dies   kann durchaus   erzieherisch   auf   den   Autor   wirken,   weil   er   sich   auf   das   Wesentliche   konzentrieren   muss   und   kaum   abschweifen   darf.   Vorteilhaft   ist auch,   dass   der   Leser   durch   die   örtliche   Nähe   von   Bild   und   dazugehörendem   Text   die   Zusammenhänge   und   Wechselwirkungen   leichter   und besser erfassen kann. Werden   Bilder   und   Texte   in   unterschiedlichen   Teilen   des   Bildbandes   angeordnet,   so   sind   sie   letztendlich   entkoppelt.   Die   gedruckte   Größe   der Bilder   kann   variieren,   ebenso   die   Länge   der   zugehörigen   Texte.   Diese   Form   findet   man   häufig,   weil   Einsatz   und   Ausnutzung   der   Papiere   am   Ende     günstiger   sein   kann.   Allerdings   kann   man   nicht   verhindern,   dass   der   Leser   nur   die   Bilder   betrachtet   und   den   Text   weniger   würdigt   -   oder umgekehrt.   Die   Wechselwirkung   von   Bild   und   Text   ist   also   oft   nicht   so   direkt,   wie   vom   Autor   vielleicht   gewünscht.   Dafür   muss   der   Autor   den Text nicht aus formalen Gründen kürzen oder auf dieses oder jenes Bild verzichten. Wenn   ein   signifikanter   Teil   der   Texte   keine   Entsprechung   mehr   in   den   Bildern   findet,   haben   wir   den   Übergang   vom   Bildband   zum   bebilderten Buch bereits hinter uns. Das ist fraglos auch ein interessantes Thema, gehört aber nicht mehr in den Bereich ‘Fotografieren und Schreiben’. Texte in Audio-Visionen In   dem   Medium   Audio-Vision   (AV   oder   HDAV)   können   Texte   entweder   in   Schriftform   eingeblendet   oder   in   Sprachform   vorgetragen   werden. Eingeblendete   Texte   sollten   sich   auf   Überschriften   und   Einzeiler   beschränken.   Zuschauer   können   nicht   gleichzeitig   Textabschnitte   lesen,   ein   Bild betrachten   und   dazu   noch   Töne   sinnvoll   wahrnehmen.   Wenn   wir   nachfolgend   von   ‘Text’   reden,   meinen   wir   die   Grundlage   des   sprachlich Vorgetragenen. Im   einfachsten   Fall   gehört   zu   jedem   Bild   der   AV   ein   bestimmter   Text.   Da   die   Standzeit   des   Einzelbildes   optimaler   Weise   nicht   kürzer   als   3 Sekunden   und   nicht   länger   als   6   Sekunden   sein   sollte,   ergibt   sich   daraus   auch   der   Rahmen   der   zur   Verfügung   stehende   Länge   des   Textes   für das   Einzelbild.   Wenn   man   es   mal   ausprobiert,   stellt   man   fest,   dass   es   wenig   genug   ist,   um   überhaupt   einen   klaren   Gedanken   zu   fassen.   Der Anfänger   macht   oft   den   Fehler,   seine   AV   zeitlich   zu   lang   anzulegen.   Nicht   umsonst   sind   im   Fernsehen   Reiseberichte   und   andere   Erörterungen von    gegebenen    Themen    auf    eine    maximale    Länge    von    45    Minuten    beschränkt.    Nach    dieser    Zeit    lässt    die    Aufmerksamkeit    auch    eines interessierten   Zuschauers   erfahrungsgemäß   deutlich   nach.   Natürlich   gibt   es   begnadete   Vortragende,   die   einen   Saal   auch   zwei   Stunden   lang fesseln   können.   Aber   mal   ehrlich,   wer   hat   schon   solche   Themen?   Die   Aufmerksamkeit   im   Kreis   von   Familie   und   Freunden   oder   im   Verein schwächelt   normalerweise   bereits   nach   einer   Viertelstunde.   Mit   einer   diesen   Zeitraum   nicht   wesentlich   überschreitenden   AV   wird   man   in   guter Erinnerung   bleiben   und   auch   in   Zukunft   gerne   wieder   besucht   oder   eingeladen   werden.   Live   eingeblendete   Interviews,   Video-Sequenzen   oder musikalische   Darbietungen   gehören   wegen   der   zu   erwartenden   größeren   zeitlichen   Dauer   eher   nicht   zu   unseren   Zielvorstellungen,   sind   aber   im Einzelfall denkbar. Daraus ergeben sich vorab schon mal drei Schlussfolgerungen: (1) Der Text muss schriftlich fixiert werden, um ihn in der knappen Zeit korrekt vortragen zu können. (2) Der Text sollte in der AV enthalten sein, um angesichts der Freunde und Besucher keine geistige Schwerarbeit leisten zu müssen. Sie sind dankbarer für ein gelungenes Mahl und ein gutes Getränk. Und nicht zuletzt kann man die AV auch allein schauen und hat dann selbst das Erlebnis, dass sonst nur die anderen gehabt hätten. (3) Die AV sollte nicht zu lang sein, 3 bis 15 Minuten reichen aus. Man kann auch das ganze Material in mehrere thematisch geordnete 15-Minuten-Happen teilen, die nach Bedarf gezeigt werden können (3 mal 15 Minuten sind auch eine Dreiviertelstunde). Bei   einer   Standzeit   von   6   Sekunden   benötigt   man   für   1   Minute   AV   cirka   10   Bilder,   für   15   Minuten   also   150   Bilder.   Bei   einer   gut   gestalteten   AV sind   es   für   15   Minuten   vielleicht   200   bis   300   Bilder.   Für   45   Minuten   sind   also   grob   geschätzt   900   Bilder   vonnöten,   selbstredend   nur   wirklich   gute Bilder und keine Doubletten. Text   für   eine   Vortragszeit   von   15   Minuten   hat   eine   Länge   von   ca.   20000   Zeichen   (einschließlich   Leerzeichen).   Dies   ist   nicht   wirklich   viel,   aber mehr   als   man   zunächst   meint.   Es   ist   sehr   sinnvoll,   die   Bilder   thematisch   zu   sortieren.   Oft   hat   der   zeitliche   Ablauf   nicht   die   große   Bedeutung,   da der   Zuschauer   ja   nicht   dabei   war   und   andere   Prioritäten   für   ihn   oft   logischer   erscheinen.   Man   kann   dann   im   Vortrag   ein   Thema   über   mehrere Bilder laufen lassen und gewinnt damit mehr Zeit für diesen Text. Umgekehrt,   wenn   die   Bilder   zwar   wunderschön   sind,   aber   einem   kein   Text   dazu   einfällt,   ist   es   auch   eine   gute   Idee,   nur   Musik   oder   Originalton zu unterlegen. Der Zuschauer ist für eine Pause im Wortschwall dankbarer als man vermutet. Apropos   Musik.   Zur   Vertonung   eignet   sich   in   den   allermeisten   Fällen   ausschließlich   Instrumentalmusik.   Gesang   passt   selten   wirklich   zum   Thema einer   AV   und   lenkt   von   den   Bildern   ab,   d.h.   Gesang   schwächt   das   visuelle   Erlebnis,   anstatt   es   zu   unterstützen.   Noch   fataler   wird   es,   wenn   der Gesangsvortrag   in   einer   Fremdsprache   stattfindet,   der   man   selbst   nicht   mächtig   ist,   sich   aber   ein   Muttersprachler   im   Auditorium   befindet.   Die einzige   Ausnahme   besteht,   wenn   der   dargebotene   Gesang   bzw.   der   entsprechende   Künstler   selbst   Thema   der   AV   ist.   Aber   selbst,   wenn   man sich   auf   Instrumentalmusik   beschränkt,   so   sollte   man   Gassenhauer   vermeiden.   Man   kann   sagen,   das   alle   solche   Musik,   die   ein   Zuschauer kennen   könnte,   meistens   ungeeignet   ist.   Dies,   weil   der   Zuschauer   in   Bezug   auf   diese   Musik   bereits   emotional   geprägt   ist.   Er   wird   abgelenkt   und es ziehen andere Bilder vor seinem inneren Auge auf, anstelle der Bilder der AV. Auch   Originalton   ist   nicht   ganz   unproblematisch,   wenn   es   sich   um   die   Unterlegung   von   statischen   Bildern   handelt.   Es   soll   nur   der   singende   Vogel erwähnt   werden,   der   auf   dem   Bild   nicht   den   Schnabel   bewegt.   Ein   anderes   Beispiel   ist   das   im   Ton   vorbeifahrende   Auto,   das   auf   dem   Bild   aber anscheinend stillsteht. Also auch hier muss man das vorliegende Material kritisch bewerten um Widersprüche zu vermeiden. Der   Text   selbst   besteht   am   Besten   aus   kurzen,   prägnanten   Sätzen.   Schachtelsätze   sind   unbedingt   zu   vermeiden.   Der   Zuschauer   muss   den   Text beim   ersten   Hören   verstehen.   Er   hat   keine   Möglichkeit   zurück   zu   blättern   und   noch   einmal   zu   lesen.   Er   hat   auch   keine   Möglichkeit,   den   Vortrag anzuhalten   und   über   das   Gehörte   gründlich   nachzudenken.   Der   Text   sollte   also   einfach   sein   und   leicht   zu   begreifen.   Namen   und   Zahlen,   die   der Zuschauer   doch   nicht   behalten   kann,   sollte   man   gleich   weglassen.   Das   strafft   den   Vortrag.   Namen   prägen   sich   besser   ein,   wenn   sie   öfter wiederholt   werden.   Zahlen   werden   vorteilhaft   durch   Vergleiche   ersetzt,   z.B.   ‘ein   Viertausender’   statt   ‘4327   Meter’   oder   ‘ist   in   N-S   Richtung   etwa so groß wie Hessen’ statt ‘450 Kilometer’. Ansonsten   sollte   man   den   Text   so   schreiben,   wie   man   ihn   frei   sprechen   würde.   Das   wirkt   authentisch,   ist   mitreißend   und   nicht   gekünstelt   oder langweilig. Das leidige Copyright Sobald   man   seine   AV   nicht   ausschließlich   im   heimischen   Wohnzimmer   zeigen   möchte,   sind   das   Recht   am   eigenen   Bild,   das   Copyright,   die   GEMA und    manches    mehr    zu    beachten.    Es    gibt    keinen    anderen    von    der    Öffentlichkeit    abgeschlossenen    Raum.    Auch    das    völlig    abgelegene Hinterzimmer einer Gaststätte ist in diesem Sinne ‘öffentlich’, da jederzeit ein anderer Gast seinen Kopf zur Tür hereinstecken kann. Ähnliches gilt bei der Veröffentlichung eines Druckwerkes. Die ganze Thematik ist sehr unübersichtlich und soll und kann hier nicht weiter diskutiert werden. Trotz   allem   sollte   man   sich   aber   den   Spaß   an   der   Freude   nicht   verderben   lassen.   Wichtig   ist,   sich   über   die   Probleme   bewusst   zu   sein   und   je   nach Anwendungsfall die gesetzlichen Vorgaben zu beachten.